StartFußballGeduld, Vertrauen und ein Traumdebüt: Die Geschichten hinter Deutschlands Auftaktspiel

Geduld, Vertrauen und ein Traumdebüt: Die Geschichten hinter Deutschlands Auftaktspiel

Der 5:0-Erfolg gegen Bosnien und Herzegowina war weniger ein Spektakel als vielmehr eine Demonstration von Ruhe und Vertrauen.

Deutschland gewann das Auftaktspiel der U19-Europameisterschaft gegen Gastgeber Bosnien und Herzegowina mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Die Mannschaft wirkte ruhig, geduldig und auf eine fast bodenständige Art erwachsen.
Gerade deshalb erzählte dieses Spiel mehr als nur die Geschichte eines deutlichen Sieges. Es war auch die Geschichte von Geduld, von Führung und von einem Traumdebüt.

Geduld als Schlüssel

Der deutliche Sieg ließ beinahe vergessen, wie ruhig Deutschland zu Beginn sein musste. Bosnien und Herzegowina verteidigte in einem tiefen Block, machte die Räume eng und ließ der deutschen Offensive zunächst nur wenig Platz zur Entfaltung.

Deutschland kontrollierte den Ball und das Spielgeschehen, musste sich klare Torchancen jedoch erst erarbeiten. Anstatt hektisch zu werden, blieb die Mannschaft bei ihrem Plan, verlagerte immer wieder das Spiel und wartete auf die richtigen Momente.

„Es ist immer schwer gegen so einen tiefstehenden Gegner, vor allem dann beim Auftaktspiel gegen die Heimnation“, sagte Kapitänin Luzie Zähringer nach dem Spiel. „Wir haben es aber trotzdem gut gemacht. Wir waren geduldig und haben das Ganze dann auch geknackt.“

Auch Bundestrainerin Melanie Behringer sah darin den Schlüssel zum Erfolg. Nach anfänglichen Problemen habe ihre Mannschaft den Gegner in der zweiten Halbzeit „echt gebrochen“.

„Das Ergebnis hätte noch höher ausfallen können“, sagte Behringer. „Wir sind absolut happy und zufrieden.“

Zwei Tore standen am Ende hinter ihrem Namen, doch Felicia Sträßer richtete den Blick lieber auf die Leistung der gesamten Mannschaft. „Mit wie viel Geduld wir gespielt haben, wie oft wir den Ball hintenrum gespielt haben, die Seite verlagert haben, mit sehr viel Passschärfe und wenig Kontakten. Das war der Schlüssel.“

Die Geduld, die Deutschland an diesem Abend zeigte, war vielleicht die größte Stärke der Mannschaft, und der Grund, weshalb der Auftaktsieg am Ende so selbstverständlich wirkte.

Eine neue Anführerin

Vor dem Turnier musste Deutschland einen schmerzhaften Rückschlag verkraften. Kapitänin Rosa Rückert verpasste die Europameisterschaft verletzungsbedingt. Die Verantwortung trägt nun Luzie Zähringer.

Die 18-Jährige wirkte an diesem Abend nicht wie jemand, der erst in eine neue Rolle hineinfinden muss. „Ich war davor ja schon ein paar Mal Kapitänin, weil Rosa auch öfters verletzungsbedingt passen musste“, erklärte die FC Bayern-Spielerin. „So langsam habe ich mich auch gut eingelebt.“

Auch ihre Trainerin fand deutliche Worte für den Auftritt ihrer Mannschaftsführerin. „Sie war absolut dominant. Das, was sie tun musste, hat sie souverän gemeistert. Absolutes Topspiel.“

Es war ein unaufgeregter Auftritt, und vielleicht gerade deshalb einer, der einer Kapitänin besonders gut steht.

Ein Traumdebüt

Bosnia and Herzegovina v Germany - UEFA Women's European Under-19 Championship 2026 Group A

ZENICA, BOSNIA AND HERZEGOVINA - JUNE 27: Paula Rintzner of Germany celebrates scoring her team's first goal during the UEFA Women's European Under-19 Championship 2026 match between Bosnia and Herzegovina and Germany on June 27, 2026 in Zenica, Bosnia and Herzegovina. (Photo by Judit Cartiel - UEFA/UEFA via Getty Images)
ZENICA, BOSNIA AND HERZEGOVINA – JUNE 27: Paula Rintzner of Germany celebrates scoring her team’s first goal during the UEFA Women’s European Under-19 Championship 2026 match between Bosnia and Herzegovina and Germany on June 27, 2026 in Zenica, Bosnia and Herzegovina. (Photo by Judit Cartiel – UEFA/UEFA via Getty Images)

Die emotionalste Geschichte des Abends schrieb aber wohl Paula Rintzner. Noch vor wenigen Wochen sammelte sie bei den Testspielen gegen die USA ihre ersten Erfahrungen in dieser Mannschaft. Nach einem Foul an Zoe Schick kam sie früh ins Spiel und wurde Torschützin des ersten EM Tors.

„Ich habe das überhaupt nicht erwartet, so früh hier reinzukommen“, sagte sie nach dem Spiel. „Ich gebe einfach immer mein Bestes und konnte mich heute mit meinem Tor belohnen. Unglaublich einfach.“

Druck habe sie dabei nie verspürt. „In unserem ganzen Trainerteam herrscht eine Harmonie und die Atmosphäre hier ist total gut. Es wird uns gesagt, was für ein tolles Event das ist und dass wir es genießen sollen. Ich spiele einfach mit Spaß und geniesse es.“

Vielleicht war genau diese Freude und Leichtigkeit der Schlüssel zu einem so souveränen Auftakt. Der Mut, den eigenen Moment einfach zu genießen.

Viel Zeit zum Genießen bleibt jedoch nicht. Bereits am Dienstag wartet Polen als nächste Aufgabe auf die DFB-Juniorinnen.

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